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Zur Geschichte von Schloss Haldem

Das heutige Verwaltungsgebäude unserer LWL-Maßregelvollzugsklinik ist das einstige Schloss Haldem – ein Ort mit bewegter Vergangenheit.

Erstmals urkundlich erwähnt wird das einsitige Rittergut bereits 1236: Bischof Conrad von Minden überträgt dem Kloster Levern den Zehnten von "Haldum". Der Name kommt aus dem Keltischen und bedeutet "Heim auf der Halde".

Ab 1264 befindet sich das Gut im Besitz der Gebrüder de Haledum. 1328 belehnt der Bischof von Minden den Ritter Gerold von der Horst mit den Tafelgütern in Haldem und Rahden. Mehr als 300 Jahre bleibt das Gut Sitz der Familie von der Horst – bis zur Zerstörung 1630 im Dreißigjährigem Krieg. Julius August von der Horst veranlasst im Jahr 1692 den Wiederaufbau des Schlosses.

Schloss Haldem im Nationalsozialismus

Nach mehreren Besitzerwechseln geht das Anwesen 1935 an die Provinz Westfalen. Von 1936 bis 1945 befindet sich hier die sogenannte Gebietsführerschule der damaligen Jugendbewegung "Hitlerjugend". 

Eine schwarz-weiße Luftaufnahme des Schlosses Haldem aus dem Jahr 1935.

Schloss Haldem nach Kriegsende

Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzen die Briten Schloss Haldem. 1947 wird das Anwesen vorübergehend eine Lehrerbildungsanstalt, ehe es die Städte Bielefeld, Herford und Dortmund ab 1948 als Freiluftschule nutzen. Zehn Jahre lang werden in dem Gebäude lungenkranke und geschwächte Kinder behandelt.

Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1951 mit Blick auf das alte Turmgebäude von Schloss Haldem mit Turm und darauf zulaufender Pappelallee

20. Januar 1959 Schloss Haldem wird Klinik für Suchtkranke

Eröffnung der Trinkerheilanstalt

Am 20. Januar 1959 wird der Grundstein für unsere Klinik gelegt und die "Trinkerheilanstalt" eröffnet. Im heutigen Verwaltungsgebäude  im sogenannten Steinhaus, dem Torgebäude - werden damals die ersten suchtkranken Patienten behandelt. 

Von der "Trinkerheilanstalt" zur LWL-Maßregelvollzugsklinik Schloss Haldem

Fast zehn Jahre lang werden alkoholabhängige Patienten in den bestehenden Gebäuden behandelt. 70 Betten stehen zunächst für die Behandlung zur Verfügung. Doch die reichen schon bald nicht mehr aus.

Denn neben alkoholkranken Patienten, die sich seit 1959 in Haldem freiwillig behandeln lassen, ist die "Trinkerheilanstalt" schon damals auch zuständig für die Unterbringung gerichtlich eingewiesener Suchtkranker. Bereits 1968 wird ein neues Krankenhausgebäude mit 70 weiteren Betten auf dem Schlossparkgelände bezogen.

Die Klinik für Suchtkranke wächst

1971 kommt ein weiteres Krankenhaus- und das Pfortengebäude dazu. Und die Klinik betritt Neuland: Als eines der ersten Suchtkrankenhäuser in Deutschland werden nun auch drogenabhängige Patienten behandelt. In den darauffolgenen Jahren entstehen zwei weitere Krankenhausgebäude, ein Labor, eine Werkhalle und ein Gewächshaus für die Arbeitstherapie, eine neue Küche. Auch die Turnhalle wird ausgebaut und erweitert.  1979 erhält die Klinik den Namen "Westfälische Klinik Schloß Haldem".

Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des Innenhofes von Schloss Haldem aus dem Jahr 1986.

Das Schloss wird restauriert und die Klinik reine Maßregelvollzugsklinik

In den Jahren 1983 bis 1986 wird das unter Denkmalschutz stehende Schlossgebäude umfassend restauriert und umgebaut. Es entstehen moderne Büroräume sowie das Sozialzentrum mit Cafeteria, Bibliothek, Kegelbahn und Gruppenräumen. Ab 1985 wird das sogenannte Haus 7 als geschlossenes und gesichertes Krankengebäude für Maßregelvollzugspatienten umgebaut.

Fünf Jahre später – Ende 1991 – schließt die Klinik den letzten Bereich für freiwillig behandelte alkoholkranke Patienten: Die Westfälische Klinik Schloß Haldem spezialisiert sich auf die Behandlung und Sicherung gerichtlich eingewiesener Suchtkranker. Sie wird zu einer reinen Maßregelvollzugsklinik.

Der umgebaute ehemalige Torbogen des Schlossgebäudes ist heute mit einer Glasfront versehen und wird als Besprechungsraum genutzt.

Weitere gesicherte Therapiestationen entstehen

Um den hohen Anforderungen einer modernen Maßregelvollzugsklinik gerecht zu werden, wird die Klinik in den folgenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Mehrere offen geführte Stationen werden zu geschlossenen umgebaut. Die Klinik investiert in moderne Überwachungs- und Sicherheitstechnik. Im Februar 2007 beschließt die Landschaftsversammlung des LWL die Umbenennung der Westfälischen Kliniken: Die Westfälische Klinik Schloß Haldem wird in LWL-Maßregelvollzugsklinik Schloss Haldem umbenannt. Umbauten im Jahr 2008 ermöglichen seither den sogenannten Nachteinschluss.

Das Schloss aus der Sicht eines vergitterten Fensters.

Die neue, hoch gesicherte Aufnahmestation geht in Betrieb

Im Juli 2011 werden die neue Aufnahmestation mit 24 Behandlungsplätzen und die neue Werkhalle für die Arbeitstherapie in Betrieb genommen. Das Gelände darum wird von einer modernen, neuen 5,50 Meter hohen Sicherheitszaunanlage umgeben.

Zwei weiße, einstöckige Gebäude mit vergitterten Fenstern. Im Vordergund steht eine blaue Sitzgruppe auf grünem Rasen.